Was die eingebauten Bedienungshilfen im Religionsunterricht leisten:
In vielen Klassenräumen liegt inzwischen ein iPad. Dass darin eine ganze Sammlung von Funktionen steckt, die Barrieren abbauen, wissen die wenigsten. Zu finden sind sie unter Einstellungen → Bedienungshilfen. Sie kosten nichts und müssen weder installiert noch beantragt werden.
Ein paar Beispiele aus dem Unterrichtsalltag:
Ein Schüler bräuchte eine Lupe, um den Text zu lesen?
Eine Schülerin würde sich den Text lieber vorlesen lassen?
Ein Kind verliert an der Station nach zwanzig Sekunden den Faden?
Jemand kann die Antwort nicht aufschreiben, weil die Hand nicht mitmacht?
Eine nicht sprechende Schülerin soll im Kreis einen eigenen Beitrag haben?
Für all das gibt es eine Einstellung.
Den Zugang ändern, nicht den Text
Das Interessante daran ist nicht die Technik, sondern eine kleine didaktische Verschiebung. Wenn alle an derselben Perikope arbeiten, kann ein Kind sie lesen, das zweite sie sich vorlesen lassen, während die gesprochene Stelle hervorgehoben wird, das dritte sieht sie in großer Schrift. Der Gegenstand bleibt derselbe, und das Gespräch darüber auch. Gegen eine vereinfachte Textfassung spricht das übrigens nicht. Bei einigen Förderschwerpunkten ist sie genau richtig und gehört zur Differenzierung dazu. Es lohnt sich nur, vorher kurz zu prüfen, ob schon ein anderer Zugang ausreicht.
Texte und Bilder
Ein biblischer Text lässt sich markieren und vorlesen, und dabei wandert eine Hervorhebung mit. Wer hört und gleichzeitig mitliest, kommt weiter als wer nur zuhört, weil die Kraft fürs Entziffern frei wird. Lange Texte lassen sich außerdem in eine aufgeräumte Ansicht holen, in der nur noch der Text steht. Bei der Bilderschließung vergrößert die eingebaute Lupe das Detail eines Kirchenfensters so, dass alle es sehen.
Wenn ein Kind nicht bei der Sache bleibtLiegt in der Stationsarbeit zum Vaterunser ein Gerät bereit, lässt es sich auf eine einzige App sperren.
Versehentlich weiterwischen
Dann kann niemand mehr versehentlich weiterwischen. Für Kinder, die Lärm schlecht aushalten, spielt das iPad ein gleichmäßiges Geräusch ab, das die Unruhe im Raum überdeckt.
Wenn jemand nicht schreiben oder sprechen kannReligiöse Bildung lebt davon, dass Kinder sich äußern. Wer nicht schreiben kann, diktiert seine Antwort. Wessen Hand beim Tippen zittert, dem verzeiht das Gerät Doppeleingaben, wenn man es entsprechend einstellt. Und für Schülerinnen ohne Lautsprache gibt es die Live-Sprachausgabe: Sätze, die vorher gemeinsam festgelegt und eingetippt wurden, spricht das iPad auf Tastendruck aus. Der Beitrag kommt dann von ihr selbst und nicht von jemandem, der für sie spricht.
Vorher fragen
Vor jeder Einstellung steht allerdings eine Frage, die sich nicht am Gerät klären lässt: Was braucht dieses Kind, und wer hat es gefragt? Was als Hilfe gemeint ist, kann als Sonderbehandlung ankommen. Eine sonderpädagogische Diagnostik oder eine Unterstützte Kommunikation ersetzen diese Funktionen ohnehin nicht. Was sie können, ist trotzdem eine Menge: Sie machen Aufgaben bearbeitbar, die es sonst nicht wären.
Ein praktischer Hinweis noch. Alle diese Funktionen liegen mehrere Menüebenen tief, und mitten in einer Stunde sucht dort niemand. Unter Einstellungen → Bedienungshilfen → Bedienungshilfen-Kurzbefehl lässt sich eine davon auf eine Taste legen. Danach genügt dreimaliges Drücken der Home-Taste oder der oberen Taste.
Wenn Sie das selbst ausprobieren möchten, können Sie unsere Klick-für-Klick-Anleitung nutzen (Link zum PDF siehe unten). Sie ordnet die Funktionen den Förderschwerpunkten zu und ist beim Katechetischen Institut erhältlich.
Frederic Maquet