"Wir können essenzielle Beiträge leisten, Menschen in ihrem Menschsein zu begleiten"

(c) Foto: privat
Datum:
Mi. 10. Dez. 2025
Von:
Kim Sölter

Name: Kim Sölter
Alter: 29 Jahre
Wohnort: Aachen
Funktion: Promovendin

 

Was macht Ihnen an Ihrer Tätigkeit als Promovendin besonders große Freude?

Wenn ich tief in die biblischen Texte und ihre Umwelt eintauche, kann ich immer wieder Überraschendes darin finden. Als Referendarin und Lehrerin in Aachen habe ich dieses Potenzial der Texte auch immer wieder über das Theologisieren mit Kindern und Jugendlichen erfahren. Heranwachsende können die Texte aus vielen verschiedenen, manchmal unerwarteten Perspektiven zum Sprechen bringen. Nun arbeite ich für meine Dissertation an einer Lesart der Markuspassion, die Aspekte wie Macht und Geschlecht sowie deren Bedeutungsspektrum im 1. Jahrhundert einbezieht. Dabei stelle ich auch immer wieder überrascht fest, wie sehr die herrschaftskritische Erzählung des Markusevangeliums in heutige politische Kontexte hineinspricht.

Wo sehen Sie die wichtigsten Herausforderungen für Ihre Tätigkeit?

An einer Dissertation zu arbeiten erfordert langen Atem und viel konzentrierte Arbeitszeit. Der kritische Umgang mit den eigenen Gedanken und auch dem Werk anderer ist anspruchsvoll. Gerade die Auslegung von Texten aus dem Neuen Testament ist sehr voraussetzungsreich: das vielfältige antike Judentum, hellenistische Kulturen, Erzählkonventionen, Sozialgeschichte und viele weitere Aspekte sind relevant. Da sind eine gut sortierte Bibliothek, engagierte Bibliothekar*innen und ein Arbeitsplatz in schöner Atmosphäre ein Segen zum Vorankommen.


Was bedeutet für Sie religiöse Bildung?

Religiöse Bildung ist für mich ein Konglomerat von Zukunftskompetenzen. Phänomene reflektieren und einordnen, die eigene Geschichte und Gegenwart deuten, Sinnfragen bearbeiten, Gemeinschaft leben und gestalten, kreativ und phantasievoll mit Herausforderungen des Lebens umgehen – all dies sind Dinge, die für Menschen gerade in einer Welt der Geschwindigkeit und der vielfältigen Krisen relevant sind und bleiben. Als theologisch Forschende und Lehrende, als Seelsorge- und Kirchenpersonal können wir essenzielle Beiträge leisten, Menschen in ihrem Menschsein zu begleiten. Religiöse Bildung ist insofern auch eine große Verantwortung.


Welche Wünsche haben Sie an das Katechetische Institut?

Treten Sie weiter mit so viel Einsatzbereitschaft, Kreativität und Freundlichkeit dafür ein, dass Menschen durch Sie und Ihre Arbeit lernen und sich entwickeln können. Sie sind ein wichtiger Ort in Aachen, der Wissen, Materialien, Poesie, Literatur und Kunst sichert und bereitstellt.


Welches Buch/welchen Film/welche Serie/welchen Podcast möchten Sie unseren Leser*innen empfehlen?

Ein niedrigschwelliger (Wieder-)Einstieg in die Feministische Bibelauslegung ist das kürzlich erschienene Buch:
Siquans, Agnethe/ Eder, Sigrid (Hgg.): Ist die Bibel frauenfeindlich? Biblische Frauenbilder und was wirklich dahinter steckt, Stuttgart 2025. (Signatur: 230.082 Ist)

Wer tiefer eintauchen möchte in geschlechterbezogene und intersektionale Untersuchungen biblischer Texte, findet im folgenden Band ein breites Spektrum abgedeckt:

Eisen, Ute E./ Gerber, Christine/ Sandhartinger, Angela (Hgg.): Doing Gender, Doing Religion. Fallstudien zur Intersektionalität im frühen Judentum, Christentum und Islam, WUNT 302, Tübingen 2013. (Signatur: 74 610)

Kostenlos im Internet findet man den Blog „kreuz & queer“ (https://www.evangelisch.de/blogs/kreuz-queer-1 ) und den Podcast „Feministische Bibelgespräche (https://www.eaberlin.de/themen/projekte/feministische-bibelgespraeche  oder auf allen gängigen Podcast-Plattformen).