The Innkeeper. Holly und das Krippenspiel. Kurzfilm, 14 Minuten 2023, ab 6 Jahre, KFW
Der Film steht auf dem Medienportal zur Verfügung.
Der Kurzfilm wurde von Paudie Baggot, der als „Filmemacher für Charakterkomödien mit Sinn für Humor“ charakterisiert wird, in Zusammenarbeit mit der Drehbuchautorin Denise Deegan realisiert. Komödiantische Elemente ziehen sich durch den ganzen Kurzfilm. Ein Krippenspiel in der Vorweihnachtszeit, wie sie auch zur Zeit wieder in so vielen Schulen und Gemeinden aufgeführt werden, steht im Mittelpunkt.
Der Film beginnt mit der Rollenverteilung für das Krippenspiel. Sowohl die Lehrerin als auch Reaktionen der Schüler*innen wirken zum Teil überzeichnet. Der Inhalt der Weihnachtsgeschichte und ihre Botschaft spielen keine Rolle. Vor den Eltern und vor allem vor der örtlichen Presse, die sich angesagt hat, möchte die Lehrerin eine optimale Aufführung auf die Bühne bringen und spornt die Schüler*innen zu größtem Engagement an.
Egal welche Rolle
Die Schülerin Holly hat nur ein Ziel, sie möchte eine Rolle, egal welche. Aber Rolle um Rolle wird anderweitig vergeben, bis Holly schließlich die Rolle der Herbergswirtin erhält. Doch die Proben zeigen, Holly weicht ein ums andere Mal vom Text ab. Sie bringt es nicht übers Herz, Maria und Josef abzuweisen. „Ihr habt Glück! Es gab eine Stornierung.“, „Vielleicht kann ich Ihnen das Gästezimmer geben“ sind die Lösungen, die Holly anbietet, um Maria und Josef Hilfe anzubieten und sie nicht wieder auf die Straße zu schicken. Ihr Versprechen, bei der Aufführung ihre ‚Rolle‘ zu spielen und Nein zu sagen, hält sie nicht durch. Sie geht mit dem anderen Wirt in einen Wettstreit um den besseren Stall. Der ungewöhnlich Verlauf der Weihnachtsgeschichte, für die Lehrerin ein Fiasko, für das Publikum sehr amüsant, bietet viele Ansätze über das, was wir mit unendlich vielen Ritualen, mit so festgefügten Abläufen und romantisierendem Blick Jahr für Jahr feiern, kritisch zu betrachten. Holly, selbst in einer Notunterkunft lebend, braucht diese Hoffnung auf Hilfe, diese Hoffnung auf ein Zuhause. „Wächst das Jesuskind im Stall auf?“ fragt Holly die Lehrerin „Nun … Nein“, antwortet die Lehrerin, „es war nur für dieses Weihnachten.“ Behutsam legt die Lehrerin ihren Arm um Hollys Schulter, führt sie bestimmt von der Krippe weg und sagt: „Und dann wären wir nach Hause gegangen.“ Die Lehrerin bleibt in ihren Selbstverständlichkeiten verhaftet und begreift nicht, dass Holly mit ihrer Mutter um dieses Zuhause ringt und was es für Holly bedeutet, ohne diese Gewissheit eines eigenen Zuhauses zu leben.
Durch Hollys Ja hat das Krippenspiel eine andere Richtung bekommen, Erwartungen werden auf den Kopf gestellt, Selbstverständliches in Frage gestellt. So bietet der Kurzfilm einen guten Impuls zur wahren Kern der Botschaft vorzustoßen.
Margit Retterath-Offner