(c) Bianca Borne

Schwerdtfeger, Theveßen und Co im KI

Datum:
Di. 13. Okt. 2026
Von:
Alexander Schüller

Denkwürdig

Ein ereignisreicher Fortbildungs- und Veranstaltungsmonat liegt hinter uns – mit etlichen bestens besuchten Highlights. Los ging es am 08.09. im übervollen Raum 1 mit einer Veranstaltung zum Fall des ehemaligen Rektors der RWTH Aachen, Hans Schwerte, der Mitte der 1990er Jahre als SS-Offizier Hans Ernst Schneider entlarvt wurde. Angelina Pils, die die erste Dissertation über den Fall geschrieben hat, der seinerzeit in der gesamten Bundesrepublik für Aufsehen gesorgt hatte, las zu Beginn des Abends einige Abschnitte aus ihrer Arbeit vor und ging danach mit den Zeitzeugen Barbara Dehmelt, Heribert Körlings und Hans Otto Horch ins Gespräch.

Sie schilderten ihre Sicht auf Schwerte/Schneider. Wie sehr der Fall auch mehr als 30 Jahre später emotional aufgeladen ist, zeigte sich an den Reaktionen im Auditorium auf die Podiumsdiskussion. Der Raum zerfiel mehr oder weniger in zwei Parteien: Die eine kritisierte Schneider/Schwerte scharf für sein Verhalten, die andere betonte seine positiven Seiten als Hochschullehrer. Insgesamt ein interessanter Abend, dem allerdings weniger Emotionen gut getan hätten. 

Die Buchhandlung der Exilanten
Wenige Tage später waren wir zu Gast in der Buchhandlung Schmetz am Dom, mit der zusammen wir Uwe Neumahr nach Aachen eingeladen hatten, einen der besten deutschen Sachbuchautoren. Auch die Walter Hasenclever-Gesellschaft war bei der Veranstaltung mit an Bord. Im Gespräch mit Axel Schneider, dem Vorsitzenden der Gesellschaft, und Alexander Schüller stellte Uwe Neumahr sein neues Buch „Die Buchhandlung der Exilanten“ vor, einen Spiegel-Bestseller über die Pariser Buchhandlungen „La Maison des Amis de Livres“ und „Shakespeare and Company“, und das natürlich in einer Buchhandlung.
Sehr anschaulich wusste Neumahr von den beiden viel zu wenig bekannten Buchhändlerinnen Sylvia Beach und Adrienne Monnier zu erzählen: von einer bewegten Epoche zwischen dem Ende des Ersten und des Zweiten Weltkriegs, von bekannten und unbekannten Exilanten und Schriftstellern, darunter James Joyce und Ernest Hemingway. Spannender kann ein literarischer Abend nicht sein. 

Schwerdtfeger hochklassig
Spannend ging es gleichwohl weiter. Am 15.11. besuchte uns Jakob Schwerdtfeger, Erfinder der Kunstcomedy, bekannt aus Fernsehen und Social Media. Auf unterhaltsame Weise führte er seine Zuhörer*innen durch mehr als 1000 Jahre Kunstgeschichte und wusste sie für allerlei Kurioses und viel Hochklassiges zu begeistern. Zuvor hatte Jakob Schwerdtfeger sowohl das Suermondt-Museum als auch das Ludwig-Forum besucht, einzelne Exponate fotografiert und in seinen Vortrag einbezogen – eine Referenz, die man sonst in kaum einer Veranstaltung erlebt. Klasse! Auch vom KI selbst zeigte er sich beeindruckt, besonders von den Altbeständen der Diözesanbibliothek, anhand derer Alexander Schüller in seiner Einführung erläuterte, woher die Redewendung „ein Buch aufschlagen“ stammt. So wurde deutlich: Das KI ist genau der passende Ort für eine solch schöne tour d’horizon durch die Kunstgeschichte.

Kritisiert: Die Fassung der Leseordnung
Um ein Buch ging es auch im Vortrag von Annette Jantzen am 18.11.: um die Bibel, allerdings in der Fassung der Leseordnung. Eindrucksvoll und gewohnt leidenschaftlich, dabei immer die aktuelle Forschung berücksichtigend, zeigte Annette Jantzen, wo und warum die Leseordnung biblische Texte, in denen Frauen vorkommen, kürzt und welche Folgen diese Kürzungen für die Rezeption der Frauen bis heute haben. Wegweisend – ihre Ausführungen zu Hagar, deren Erfahrung als von Gott Gesehene gerade in der heutigen, visuell geprägten Gesellschaft eine neue Bedeutung gewinnen kann. Zwei sehr kurzweilige Stunden, die nachdenklich stimmten und das Zeug hatten, weit über den Abend hinaus zu wirken.

Jähners Wunderland
Das nächste spannende Sachbuch stellten wir in der Folgewoche vor. Harald Jähner war nach Aachen gekommen, um aus seinem jüngsten Buch „Wunderland“ zu lesen. Im Gespräch mit Axel Schneider und Alexander Schüller erkundete er die Wirtschaftswunderzeit und zeigte ihre Bedeutung für das Heute. Eine wunderbarer Abend, der ebenso sehr zu amüsieren und zu bestürzen wusste. Und immer wieder gab es Aha-Effekte unter den Zuhörer*innen, weil jemand z.B. einen Werbeslogan der damaligen Zeit noch aus eigenem Erleben kannte. 

Belustigend und irritierend: Elmar Theveßen
Und schließlich das Highlight in einem an besonderen Veranstaltungen gewiss nicht armen Jahr 2026: Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington, sprach vor 370 Zuhörer*innen im Bischöflichen Pius-Gymnasium mit Alexander Schüller über den christlichen Fundamentalismus in den USA und die Trump-Administration. Ein sehr intensives Gespräch, das von allem etwas hatte. Er wusste zu belustigen, zu irritieren und zu erschrecken, etwa als Theveßen aus eigener Anschauung über den Sturm auf das Kapitol berichtete. Sicher werden die knapp eindreiviertel Stunden niemanden, der an diesem Abend dabei war, allzu rasch aus dem Gedächtnis gehen.
Vor allem die Prognose, dass die Midterms kurzfristig von Trump abgesagt werden, sorgte für Gesprächsstoff, auch nach der eigentlichen Veranstaltung, etwa bei den Menschen, die gemeinsam in der Schlange warteten, um sich ein Buch von Elmar Theveßen signieren zu lassen.

Wir bedanken uns bei unseren Kooperationspartnern: der Buchhandlung Schmetz am Dom, der Walter Hasenclever-Gesellschaft, der Evangelischen Erwachsenenbildung, der Buchhandlung am Markt in Aachen-Brand, der Buchhandlung Backhaus, dem Domshop Aachen, dem Bischöflichen Pius-Gymnasium und dem Kulturbetrieb der Stadt Aachen.

Hinweis: Eindrücke von der Veranstaltung mit Elmar Theveßen erhalten Sie in einem Reel auf unserem YouTube-Kanal „Kompass Religionspädagogik“ https://www.youtube.com/shorts/EF_ICHe2bn4 

Unter den Shorts finden Sie auch ein Reel von einem unserer weiteren Highlights aus diesem Jahr: der Lesung mit Volker Weidermann.

Alexander Schüller

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