Life Life Balance, 2024, 26 Minuten (Matthias Film). Satirischer Kurzspielfilm von Leonie Englert, empfohlen ab 13 Jahre, Sek I ab 8. Kl., Sek II.
Der Film steht als Download auf dem Medienportal zur Verfügung.
Paula kommt ruhigen Schrittes die Treppe herunter in der Hand einen Becher Kaffee. Sie begibt sich zu ihrem „Aufenthaltsort“, den Bänken vor ihrem Haus. Sie genießt die Sonne und beobachtet die Menschen, die die sich in der Grünanlage aufhalten oder diese durchqueren. Die unterschiedlichen Sitzpositionen zeigen immer wieder „Sie hängt ab“. Manchmal sorgt die Positionsänderung auch für einen neuen Blickwinkel und Paulas Welt steht kurzfristig Kopf. Paula tut nichts.
Nach und nach wird klar, dies ist nicht nur ein erholsamer Nachmittag, sondern Paulas Eintreten für das Recht auf Nichtstun, für ein Recht auf Faulenzen. Paulas Frage: Was ist, wenn ich rückfällig werde? Könnte als Hinweis gedeutet werden, dass die Umstände bei Paula vielleicht in vergangener Zeit ganz anders waren. Nun aber tritt sie mit großer Gelassenheit für ihr Nichtstun ein. Die Begegnungen mit anderen Menschen einer Kollegin aus vergangenen Tagen, ihrer Mutter, der Arbeitsvermittlerin, ihrem neuen Chef, ihren Freunden Carli und und Alva und mit der Sitznachbarin Stella in der Bahn konfrontieren sie mit anderen sozialen Realitäten und anderen Haltungen.
Lebenskonzept des Nichtstuns gerät ins Schwanken
Den Freiraum, den Paula sich durch ihr Lebenskonzept des Nichtstuns verschafft, kommt in manchen Momenten auch anderen zu Gute: Sie übernimmt das Bohren bei ihrer Mutter, sie springt bei ihrer Freundin als Babysitterin ein, sie kann in ihrer gewonnenen Ruhe offen sein für andere, wie die Szene des gemeinsamen Buchlesens in der Bahn verdeutlicht. Ungeachtet der Person, die ihr gegenübersteht, bleibt Paula bei ihrem Lebenskonzept Nichtstun. Allein durch die Androhung einer Kürzung der Unterstützungsgelder durch die Arbeitsvermittlerin wird Paula dazu gebracht, sich zu bewerben. Sie erhält zu Ihrer Enttäuschung die Stelle. Doch statt einer Eingliederung in eine Arbeitswelt bewirkt ihre Anwesenheit im Startup, dass der Chef sich auch dem Nichtstun verschreibt. Er stellt gegenüber der Arbeitsvermittlerin auch die entscheidenden Fragen: „Was machen wir eigentlich auf dieser Welt?“ und „Was braucht der Mensch?“
Welchen Stellenwert haben Arbeit und Leistunf für uns?
Der Kurzfilm ist ein Impuls, sich mit der Frage auseinander zu setzten, welchen Stellenwert Arbeit und Leistung für uns haben. Wie sieht es mit dem Wert von uns als Person, als Mensch aus, jenseits unserer Produktivität? Wie positionieren wir uns in der Leistungsgesellschaft? Wie sehr beurteilen wir Menschen nach dem, was sie leisten? Mit welchen Erwartungen werde ich konfrontiert und welche Erwartungen habe ich mir selbst gegenüber? Habe ich eine Verpflichtung, die mir gegebenen Gaben und Fähigkeiten auch einzusetzen? Hat Arbeit als Einsatz fürs Gemeinwohl auch etwas mit Nächstenliebe zu tun?
Fragen, die sich aus dem Kurzfilm ergeben und die mit Schüler*innen ab der 8. Klasse bis hin zur Sek II oder im außerschulischen Bildungsbereich angegangen werden können Die beigefügten Unterrichtsmaterialien bilden dabei eine gute Unterstützung. Der satirische Kurzfilm „Life Life Balance“ fordert auf jeden Fall zu einer Stellungnahme heraus.
Margit Retterath-Offner