Gegen den Strom

Sehenswert

(c) kfw
Datum:
Fr. 13. März 2026
Von:
Margit Retterath-Offner

Gegen den Strom, Spielfilm, Island 2018, 101 Minuten (KFW)

Ein Film von Leiknar Myndir

empfohlen ab 14 Jahre, Sek I ab Klasse 9
Signatur: DVD 1228, auch als Download im Medienportal

25 km/h, Die Unbeugsamen, Marianengraben, Konklave, Heaven can wait, 7 Brüder, Fuchs und Hase retten den Wald, Latte Igel und der magische Wasserstein, Die Rumba Therapie, Crescendo, The Zone of Interest, Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry:
Die Medienstelle bietet nicht nur Kurzfilme, die sonst an dieser Stelle als „sehenswert“ vorgestellt werden, sondern sie verfügt auch über einen umfangreichen Bestand an Spielfilmen, - selbstverständlich auch ausgestattet mit allen Vorführlizenzen.

Sehr „sehenswert“ ist der Spielfilm „Gegen den Strom“. Im Mittelpunkt steht Halla oder „Moutain Woman“. Die beiden Namen machen die unterschiedlichen Anteile deutlich, die die Protagonistin in sich vereint. Zum einen gibt es Halla, eine naturverbundene Isländerin von 50 Jahren, die einen Chor leitet und sich vor Jahren zur Adoption eines Kindes bereit erklärt hat. Zum anderen existiert „Moutain Woman“, eine Öko-Aktivistin, die mit präzise durchgeführten Sabotageakten die Aluminiumindustrie und ihre angestrebte Expansion bekämpft und so die einzigartige Natur Islands retten möchte. Halla, alias Moutain Woman, die mit Pfeil und Bogen Stromleitungen attackiert und damit ganze Industrieanlagen stromlos stellt, erinnert an Robin Hood und erweckt damit den Eindruck eines ökologischen Märchens, dass hier erzählt werden soll. 
Halla trägt bei ihren Einsätzen, um nicht erkannt zu werden, eine Maske von Nelson Mandela; in ihrer Wohnung hängt eine Bildnis von Gandhi. Ist ihr Vorgehen noch im Sinne ihrer Vorbilder ein gewaltfreier Widerstand? Rechtfertigt das Eintreten für eine gerechte Sache das Umgehen von Verboten und das Erwirken von Schäden größeren Ausmaßes?

Diese Fragen wirft der Film auf. Halla sagt: „Nicht ich bin kriminell, die sind es“. Ist das die Antwort auf die Frage nach der Rechtfertigung ihres Tuns? Eine Wendung und Verschärfung von Hallas Lage ergibt sich durch die Zusage einer Adoption eines ukrainischen Mädchens. Wie verträgt sich Engagement in der von Halla durchgeführten Form mit der Verantwortung für ein Kind? Stimmt die Aussage von Hallas Schwester „Du rettest ein Kind und damit die Welt“ ? Auch hier kann der Film zu einer Positionierung auffordern.

Heikle Sabotage und viel Humor
Der Film birgt zahlreiche Diskussionsansätze, er ist phasenweise sehr spannend – wenn der Staat Polizei und Gerät an den Start bringt, um weitere Sabotageakte zu unterbinden, und Halla nur aufgrund ihrer Kenntnisse von Natur und Landschaft entkommen kann, aber er zeigt auch viel Humor in den Aussagen Hallas einerseits und anderseits durch das regelmäßige Erscheinen eines Orchesters und ukrainischer Sängerinnen, die gleichsam wie ein antiker Chor auftauchen. Sie heben bestimmte Situationen hervor und „kommentieren“ mitunter dadurch eine Szene. Sie stellen aber auch eine Unterbrechung der eigentlichen Handlung dar, holen die Zuschauer*innen kurz raus aus dem Geschehen und unterstreichen damit auch immer wieder den „Märchenaspekt“ des Filmes.

Margit Retterath-Offner