Der Lasercutter in Religionsunterricht, Kita, Gemeinde und Studium
In Schulen, Büchereien und Jugendeinrichtungen stehen sie inzwischen immer häufiger: Lasercutter. Geräte wie der xTool P2S schneiden und gravieren nach einer digitalen Vorlage Sperrholz, Karton, Filz, Kork, Leder oder Acryl. Für die Religionspädagogik ist das reizvoll, weil sich damit genau das Material herstellen lässt, das es für eine bestimmte Stunde, eine bestimmte Gruppe, eine bestimmte Erzählung braucht – und das es fertig zu kaufen schlicht nicht gibt.
Die Leerstelle als didaktisches Prinzip
Ein Beispiel ist die Bilderschließung mit einem selbst geschnittenen Puzzle. Ein Bild wie Rembrandts Rückkehr des verlorenen Sohnes, ein Kirchenfenster, eine Ikone – wird auf Holz oder Graupappe graviert und in unregelmäßige Teile zerlegt. Ein Teil fehlt. Die Lerngruppe erschließt das Bild aus dem, was da ist, und gestaltet das fehlende Stück selbst, ohne das Original zu kennen. Erst danach kommt der Vergleich. Was sonst als stille Deutungsarbeit im Kopf bliebe, wird sichtbar, verhandelbar und begründungspflichtig. Das Verfahren lässt sich gut übertragen: auf Bibeltexte mit ausgespartem Vers, auf Symbolreihen, auf Zeitleisten, denen eine Epoche fehlt. Alles lässt sich als nachhaltiges Unterrichtsmaterial auf haltbare Stoffe lasern.
Dadurch entsteht schnell all das, was im Regal fehlt: Legematerial und Bodenbild-Elemente, taktile Symbolkarten (auf Wunsch mit Braille-Prägung), Silhouetten für ein Schattentheater zu biblischen Erzählungen, Dominos zu Namen und Attributen Gottes.
Kita und Elementarpädagogik
Erzählmaterial nach Godly Play oder der Kett-Pädagogik ist schön – und teuer. Vieles davon lässt sich in 4 mm Sperrholz selbst herstellen: Figurensätze, Wüstenkisten-Elemente, Legeformen. Robust, abwaschbar und jederzeit nachproduzierbar, wenn mal ein Teil verschwindet. Dazu kommt der Jahreskreis: Laternenteile für St. Martin, Krippenfiguren, Namensschilder, Segensanhänger zum Übergang in die Schule.
Gemeinde und Gottesdienst
Fürs Gemeindefest liefert ein Lasercutter Wegweiser, Standschilder, Spendendosen und Spielstationen wie ein Riesen-Memory mit Motiven aus der eigenen Kirche. Im Gottesdienst tragen gravierte Holzscheiben Fürbitten, die die Mitfeiernden selbst beschriften und niederlegen; Erstkommunion- und Firmkreuze bekommen den eigenen Namen; Adventskalender, Sternsinger-Kronen und Segensgaben werden zur Serie mit persönlicher Note statt zur Massenware. Nebenbei entsteht ein schönes Kooperationsformat: Jugendliche gestalten in einer Werkstattstunde etwas, das die ganze Gemeinde am Sonntag in der Hand hält.
Studium und Fortbildung
In der Fachdidaktik wird das Gerät zum Prototyping-Werkzeug: Studierende entwickeln eigenes Material, erproben es im Praktikum, überarbeiten es. Zugleich öffnet sich eine theologische Reflexionsebene, die über die Technik hinausführt – das Verhältnis von Machen und Empfangen, der Mensch als gestaltendes Geschöpf, der Wert des Selbstgefertigten in einer Kultur des Fertigprodukts, dazu die Frage nach Material, Energie und Nachhaltigkeit.
Einfach mal ausprobieren
Man muss dafür weder ein Gerät anschaffen noch sich vorher in Technik einarbeiten: Im Katechetischen Institut steht ein xTool P2S, der allen Interessierten zur Verfügung steht. Der 55-Watt-CO2-Laser arbeitet auf einer Fläche von 60 × 30 cm und schneidet auch dickeres Holz und Acryl in einem Durchgang. Erfahrene Kolleginnen und Kollegen begleiten die erste Umsetzung, von der Idee über die Vorlage bis zum fertigen Material – Vorkenntnisse sind ausdrücklich nicht nötig. Wer später selbst Dateien bauen möchte, ist herzlich willkommen.
Am besten bringt man eine konkrete Stunde, eine Gottesdienstidee oder ein Gemeindefest mit, das ohnehin ansteht. Aus einem Nachmittag entsteht so meist mehr als ein Testobjekt.
Frederic Maquet