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Drei Bücher – eine Bibliothek: Von den USA über die südliche Eifel in die Welt des Neuen Testaments

Datum:
Do. 25. Juni 2026
Von:
Alexander Schüller

Denkwürdig

Was haben ein Buch über unser Verhältnis zu den USA, ein Reiseführer über die südliche Eifel und eine Abhandlung über die politische Ethik des Neuen Testaments gemeinsam? Nun, auf den ersten Blick gesehen: nichts. Und doch gibt es eine Verbindung zwischen diesen heterogenen Büchern und Themen. Diese Verbindung ist das KI. Denn alle drei Bücher befinden sich im Bestand unseres Bibliotheks- und Medienforums. Und wichtiger noch: Alle drei Bücher haben wir in jeweils einer Veranstaltung mit ihren Autoren vorgestellt und diskutiert. Denn wir halten sie für gegenwartsbedeutsam. So haben wir zum Abschluss des Schuljahrs noch einmal die Spannbreite unserer Bildungs- und Bibliotheksarbeit deutlich gemacht.

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Los ging es am 12. Mai: Rieke Havertz, internationale Korrespondentin der ZEIT, stellte ihr Buch „Goodbye, Amerika?" vor und erläuterte, warum das Fragezeichen ihrer Ansicht nach nicht durch ein Ausrufezeichen ersetzt werden müsse. Mehr als anderthalb Stunden lang beleuchtete sie – zunächst im Podiumsgespräch und anschließend  im Austausch mit dem Publikum – die jüngsten Entwicklungen der transatlantischen Beziehungen und gewährte Einblick hinter die Kulissen der politischen Bühne. Das war faszinierend und erkenntnisreich, sei es, wenn es um die amerikanische Verfassung ging, das Project 2025 und die Konsequenzen für den Schul- und Bildungssektor, die Zukunft der MAGA-Bewegung oder um die künftigen Präsidentschaftskandidat*innen der Demokraten und Republikaner. Ein aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat, so Rieke Havertz, braucht Humor, und den haben nicht alle, die gerade gehandelt werden, und auch nicht allein Gavin Newsom, der Gouverneur von Kalifornien. Am Ende des Abends war klar: So sieht eine fruchtbare Neuvermessung des Verhältnisses zwischen uns und den USA aus.

Wie ein Reiseführer entsteht
Einen Monat später war Josef Els bei uns zu Gast, ehemaliger Schulleiter des Bischöflichen Pius-Gymnasiums und Verfasser von Reiseführern. Auf lebendige Weise und am Beispiel seines neuesten Buches über die südliche Eifel erläuterte er im ersten Teil der Veranstaltung, wie er einen Reiseführer plant und schreibt und an welchen Vorbildern er sich dabei orientiert. Besonders spannend war es zu hören, wie weit die biographischen Wurzeln eines derartigen Projektes zurückreichen, sogar bis in eine Zeit, an der an das Schreiben eines Reiseführers noch gar nicht zu denken war. Reisen mit den Eltern beförderten das Interesse an Kunst und Kultur, das Studium weckte die wissenschaftliche Neugier auf Artefakte und Kirchengebäude, auch weil akademische Lehrer wie Eugen Ewig und Heinrich Lützeler zu begeistern wussten, und Kunstreiseführer wie der von Eckart Peterich zeigten, wie ein guter Reiseführer aussehen könnte. Alle diese Impulse trugen das Ihre dazu bei, dass Josef Els seine Genese zum Autor von inzwischen sieben Reiseführern aus der Rückschau zu einer organischen Entwicklung erklärt, die zwar nicht absehbar war, aber doch grundgelegt worden ist. Dem Publikum stellte er im zweiten Teil der Veranstaltung einige lohnenswerte Ziele vor. Kennen Sie den Bassenheimer Reiter, das Schulmuseum in Immerath oder den Traumpfad Monrealer Ritterschlag? Wenn nicht, finden Sie im Reiseführer über den Süden der Eifel alles Wissenswerte zu diesen Reisezielen und unzählige weitere Tipps.

Gotteswort und Menschenmacht
Knapp eine Woche danach durften wir im KI Thomas Söding begrüßen, international renommierter Neutestamentler und Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Das Thema seines in jeder Hinsicht schwergewichtigen Buches, „Gotteswort und Menschenmacht“, ist in Zeiten von Trump & Co von höchster Brisanz. Hat die politische Ethik des Neuen Testaments für uns, unter ganz anderen Bedingungen als vor zweitausend Jahren, noch Bedeutung? Thomas Södings Antwort – sie fiel nicht überraschend aus: Unbedingt!
Umso spannender aber seine Begründung: Die Stimmen der Religionen werden sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft benötigt, um für Frieden zu werben und Friedensprojekte zu gestalten. Der Beitrag der Christ*innen ist dabei nicht beliebig, sondern kann sich an der Reich Gottes-Botschaft Jesu orientieren, die wiederum nicht ohne ihren religionsgeschichtlichen Kontext zu verstehen ist. Schon in frühchristlicher Zeit wurde sie auf die Verhältnisse angepasst – der Ursprung jenes nach wie vor bestehenden Spannungsfeldes zwischen begründeter Loyalität zum Staat (Paulus) und dem ebenso begründeten Widerspruch (Johannesoffenbarung). Die Thesen des Vortrags wurden im Podiumsgespräch mit Jean-Pierre Sterck-Degueldre und Steffen Jöris (Katholische Theologie, RWTH Aachen) und im Austausch mit dem Publikum vertieft – nicht zuletzt mit Blick auf die politische Situation in Deutschland.
So erwies sich, dass die Bibel, wie Thomas Söding sagt, nicht ins Museum gehört, sondern vor das Forum der Gegenwart. An diesem Abend war das der Lesesaal der Diözesanbibliothek. 

Wir danken allen unseren Kooperationspartnern, der Buchhandlung am Markt in Aachen-Brand, dem Domshop und dem Institut für Katholische Theologie der RWTH Aachen dafür, dass wir gemeinsam das KI in den vergangenen Wochen – wieder und einmal mehr – zu einem Forum der Gegenwart gemacht haben.

Alexander Schüller

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