(c) Klett-Kinderbuch

Die besten Weltuntergänge

Datum:
Di. 13. Okt. 2026
Von:
Alexander Schüller

Sehenswert

Andrea Paluch (Text), Annabelle von Sperber (Bilder): Die besten Weltuntergänge. Was wird aus uns? Zwölf aufregende Zukunftsbilder. Leipzig: Klett Kinderbuch ²2022, 32 S., ISBN 978-3-95470-255-8 [ab 8 Jahren].

Das Buch ist im Buchhandel derzeit nicht erhältlich, kann aber in der Religionspädagogischen Medienstelle unter der Signatur 82.087.5 Palu eingesehen und ausgeliehen werden.

Kann es ein Kinderbuch geben, über das ein Shitstorm hinwegfegt? Ja, das kann es geben, und hier ist es: Der Shitstorm, der 2023 „Die besten Weltuntergänge“ getroffen hat, ist aus der rechten Ecke aufgezogen, wo selbsternannte Kritiker hausen, die mit (Kinder-)Literatur weniger am Hut haben als mit Politik, und hat nicht allein mit dem Thema des Buches zu tun. Er hat auch und vor allem mit der Autorin zu tun.

Andrea Paluch ist die Ehefrau von Robert Habeck – und wie ihr Mann z.B. an den Folgen des Klimawandels interessiert. Auch wenn man manche der im Buch präsentierten Zukunftsszenarien für überzogen halten mag, kann doch von einer Verängstigung von Kindern durch Klima-Hysterie – so die Kritik – nicht die Rede sein. Wer das Gegenteil behauptet, hat nicht verstanden, dass das Genre der Utopie/Dystopie gerne mit apokalyptischen und paradiesischen Überzeichnungen arbeitet, ja vielleicht sogar arbeiten muss, um die möglichen Konsequenzen unseres Denkens und Handels überhaupt zu Bewusstsein zu bringen. Und ohnedies ist es eine Ironie, dass sich rechte Kreise gerade der Triggerwarnung vor potentiellen Traumatisierungen bedienen, einer Warnung, die sie sonst so entschieden ablehnen.

Die Welt, wie wir sie kennen, ist untergegangen
Worum aber geht es in dem Buch? Zunächst einmal geht es nicht eigentlich um Weltuntergänge. Denn die Welt existiert in allen zwölf ausgestalteten Fällen weiter; sie hat sich jedoch grundlegend verändert. Das bisherige kulturelle und soziale Gefüge, die Grundlagen des alltäglichen Lebens, kurzum: die Welt, wie wir sie kennen, ist untergegangen; die Menschen aber leben fort – abgesehen vom Schlusszenario, einer Erde ohne Menschen. Was in der Rezeption des Buches gelegentlich übersehen wird, ist, dass Paluch sowohl dystopische als auch utopische Szenarien entworfen hat. So zeigt sie z.B., wie es wäre, wenn die Luft so dünn geworden ist, dass die Menschen allenthalben auf künstliche Beatmung angewiesen sind. Oder wie es wäre, wenn es nicht mehr genügend Wasser auf der Erde gibt und schon die Hälfte der Menschheit verdurstet ist. Darüber hinaus entwirft Paluch aber auch Szenarien, die aus ihrer Sicht wünschenswerte Entwicklungen fortführen, intensivieren und gleichsam zum weltbestimmenden Prinzip machen: eine Welt z.B., in der alle Tiere frei sind. Oder eine Welt ohne Grenzen, in der eine Weltregierung dafür Sorge trägt, dass es überall gerecht zugeht. Oder – und nicht zuletzt – eine Welt, in der Kinder die gleichen Rechte haben wie Erwachsene; Paluch nennt diese Welt das „Kinderparadies“. 

Bilderbuch als Gesprächsanlass
Natürlich sind diese Zukunftsszenarien von einem bestimmten Standpunkt aus geschrieben. Doch gilt das nicht für jedes (Kinder-)Buch? Und könnte ein Buch, dass durch Auswahl und Gestaltung seines Stoffes nicht bereits Partei nimmt, überhaupt zu einem lohnenden Gesprächsanlass werden? Ein solcher Gesprächsanlass zwischen Kindern und ihren Eltern ist Paluchs Buch über die zwölf besten Weltuntergänge auf jeden Fall. Dabei helfen nicht zuletzt die genialen Illustrationen von Annabelle von Sperber, auf denen es so viel zu entdecken gibt. Auch sie machen deutlich, dass manchmal erst eine Welt untergehen muss, damit eine neue entstehen kann. Ob es eine bessere oder schlechtere Welt sein wird, liegt in unserer Hand - auch in der Hand der nächsten Generation, der das Buch zu Lektüre empfohlen sei.


Alexander Schüller

 

Übrigens gibt es zum Buch einen Unterrichtsvorschlag: "Die besten Weltuntergänge!?" (Klasse 5/6) in: Religion 5 bis 10, Nr. 57/2025, S.8-15, Signatur Zeit Reli 5-10 2025, auch digital im Medienportal