Alle Welt kennt den Wolfgangsee. Doch längst nicht alle Welt kennt den heiligen Wolfgang, nach dem der See benannt ist. Wer dort den Falkenstein bis auf lockere etwa 800 m besteigt, trifft – begleitet von einem Kreuzweg – auf die Einsiedelei und Kirche, die zu Ehren Wolfgang dort von seinen „Fans“ angelegt worden ist, freilich mit viel Mühen, denn Presslufthämmer gab es um 900 noch nicht.
Jener beliebte Bischof von Regensburg (924-994) kann als Musterbeispiel angesehen werden, wie sich durch sein Wirken die damalige Gesellschaft und das Christentum verändert hat: Bildung und Unterricht, Durchdringung der öffentlichen Sphäre sowie Mönchtum und Askese gehören zu seinen Verdiensten.
Geboren wird Wolfgang 924 im Schwabenland. Seine Eltern sind nicht steinreich, aber es reicht... zu einer soliden Bildung. Neugierig ist er von Anfang an, will die Geheimnisse der Welt und des Glaubens lüften, damals noch in Klosterschulen, denn Unis gab es noch nicht. Da er aber bald viel zu viel weiß, mehren sich die Konflikte. Schließlich fliegt er in Würzburg von der Domschule, da sein Lehrer es nicht verknusen kann, dass er seinen Mitschülern Dinge erklärt und veranschaulicht. Heute würde man von reziprokem Unterricht sprechen, kurz Schüler*innen helfen sich gegenseitig.
Wolfgang "fliegt" aus der Schule
Nach seinem Rauswurf widmet er sich dem Selbststudium und bleibt auf der Suche nach Gott. Sein Leben ist von Nachdenken, Beten und Askese geprägt. Unbeirrt setzt er seinen geistlichen Weg fort.
Bald wird er zum Priester geweiht; und 972 wird er endlich Bischof von Regensburg und setzt neue Akzente, erneuert verkommene Klöster durch Bildung und geistliche Ausrichtung. Nach einem erfüllten Leben stirbt er am 31. Oktober 994 während einer Reise in Pupping bei Eferding in Oberösterreich.
Bis heute genießt der hochgebildete und inspirierte Heilige große Verehrung in Regensburg und in Österreich. St. Wolfgang am Wolfgangsee war im Mittelalter und auch danach eine der meistbesuchten Wallfahrtsstätten in Europa. Noch bis ins 16. Jahrhundert hinein kamen Jahr für Jahr bis zu 70.000 Pilger in den kleinen Ort, der dadurch wuchs und blühte. Das Ziel der Wallfahrer war die dortige Kirche, die von ihm gegründet worden sein soll. Gegenwärtig ist St. Wolfgang ein beschaulicher und touristischer Ort. Eine Zahnradbahn führt auf den beliebten Schafberg (1782 m).
Wolfgangs Wunder:
Wer von der katholischen Kirche heilig gesprochen werden will, muss u.a. Wunder vollbracht haben. Ein solches verbringt er im Salzburger Land, nahe des heutigen Wolfgangsees. Dort wohnt er in karger Einsamkeit. Am Falkenstein stößt er mit seinem Stab gegen den Felsen und es quillt Wasser hervor für seinen dürstenden Begleiter. Die Legende berichtet, dass dieses Wasser sich als Heilwasser entpuppt, das vor allem bei Augenleiden, aber auch vielen anderen körperlichen Beschwerden lindernd wirkt. Noch heute hat der geübte Wanderer, der es bis auf den Falkenstein schafft, freien Zugang zu dieser Heilquelle.
Lesetipps:
Wer sich kompakt und schnell über Wolfgangs Leben informieren möchte, dem sei das kleine Büchlein von Michael Fuchs „Das Leben des heiligen Wolfgang. Mit 50 Holzschnitten“ (DB-Signatur 72 284) ans Herz gelegt. Die Holzschnittbilder aus dem 16. Jahrhundert mit den angenehm kurzen Texten versehen, bringen Wolfgangs Werdegang quasi im Comic-Style aufs Tapet. Der Autor ist Pfarrer in St. Wolfgang, Regensburg.
Relativ neu im Bestand der Diözesanbibliothek ist aber der voluminöse Text- und Bildband „Wolfgang. Bischof von Regensburg, Heiliger Europas. Geschichte, Verehrung, Kunst“ herausgegeben von Klaus Unterburger und Daniel Rimsl, 2024 (DB-Signatur F 010 109). In diesem Buch findet sich so gut wie alles, was man zu Wolfgang wissen kann.
Alexander Schmidt