Bernadette Watts, Brigitte Sidjanski: Der Fluss. Zürich: NordSüd-Verlag 2026, 32 S., 18,00 €; ISBN 978-3-314-10767-2 [ab 4 Jahren].
Das Buch ist in der Religionspädagogischen Medienstelle einsehbar und ausleihbar, Signatur 800 K Watt.
In den Bergen, nahe der Baumgrenze, entspringt aus einem Felsen ein kleines Rinnsal. Wohin es nur fließt? Und was aus ihm wohl werden wird? Ein Bach, ein Fluss, ein reißender Strom vielleicht? Das fragen sich auch fünf Lärchenzapfen – und wollen es, neugierig wie sie sind, gerne genauer wissen.
Sie lassen sich deshalb ins Wasser fallen und mitnehmen. Brigitte Sidjanski, Gründerin des NordSüd-Verlags und später als Autorin tätig, schildert zusammen mit der englischen Illustratorin Bernadette Watts eine abenteuerliche Reise mitten hinein in eine fremde, sich ständig verändernde, manchmal beglückende und manchmal bedrohliche Welt. Denn bald fließen dem Rinnsal weitere Bächlein hinzu, und es wächst heran zu einem größeren Fluss, der durch eine Schneelandschaft führt, sich unversehens in die Tiefe stürzt, ein grünes Tal durchquert, von Booten befahren lässt, eine Stadt durchströmt und schließlich in den Ozean mündet. Doch nicht alle Lärchenzäpfen kommen bis zu diesem Ziel.
Keine Angst: Niemand stirbt auf dieser Reise, ganz im Gegenteil: Unterwegs gefällt es mal einem, mal einem anderen Lärchenzäpfchen so gut, dass es beschließt, an diesem Ort und keinem anderen zu bleiben. Nur das letzte Lärchenzäpfen lässt sich bis zum Meer treiben, aber es findet nicht hier seinen passenden Ort, sondern woanders. Welcher Ort das ist? Nun gespoilert wird hier natürlich nicht.
Reise durch eine wunderbare Welt
„Der Fluss“ ist ein behutsam erzähltes Kinderbuch über eine Reise durch eine „wunderbare Welt“. Diese wunderbare Welt hat Bernadette Watts mit ihren farbenprächtigen Illustrationen, die die Leser*innen ihrerseits zu einer Entdeckungsreise einladen, eindrucksvoll ins Bild gebracht. Zugleich ist „Der Fluss“ ein metaphorisches Buch über die Suche nach Heimat. Sie ist für die Lärchenzäpfchen nicht dort, wo sie „geboren“ wurden, an jenem Baum in den Bergen, sondern dort, wo es ihnen jeweils am besten gefällt. Und das ist bei jedem von ihnen ein anderer Ort. Eine Heimat zu finden – davon erzählt das Buch -- ist kein Schicksal, sondern eine Wahl. Und diese Wahl setzt die Bereitschaft zum Aufbruch ins Unbekannte, ins Abenteuer voraus.
Alexander Schüller