Skandinavische Weihnachtsgeschichten

Lesenswert

(c) Reclam
Datum:
Do. 4. Dez. 2025
Von:
Alexander Schüller

Skandinavische Weihnachtsgeschichten. Stuttgart: Reclam 2022 (Reclam Taschenbuch; 20688), 191 S., 11,00 €; ISBN 978-3-15-020688-1.

Das Buch ist im Belletristikregal in der Religionspädagogischen Medienstelle einsehbar- und dort auch ausleihbar.

Skandinavische Weihnachten – das heißt: Sie begegnen einem Schneemann, der mit einem alten Kettenhund spricht und sich nach einem Kachelofen verzehrt. Oder der heiligen Lucia, die einer ihrer Namensvetterinnen just im Augenblick höchster Gefahr mit einem geheimnisvoll einschläfernden Wein aus der Klemme hilft.

Oder sprechenden Geldscheinen, die gerade an Weihnachten einiges über den „Kreislauf des Geldes“ zu berichten haben. Oder einem Tannenbaum, der sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich gefällt zu werden, um dann, geschmückt mit Kerzen und Kugeln, in einer heimeligen Stube als Weihnachtsbaum aufgestellt zu werden. Kurzum: An Weihnachten geht es in Skandinavien wunderbar zu – zumindest wenn man den sechzehn Geschichten glaubt, die der Reclam-Verlag in einer handlichen Ausgabe zusammengefasst hat. Das Verzeichnis der Autor/innen liest sich wie das ‚Who is Who‘ der skandinavischen Literatur: Hans Christian Andersen, Knut Hamsun, Selma Lagerlöf; nur Weihnachtstexte von Astrid Lindgren fehlen – wahrscheinlich aus Rechtegründen. Besonders besticht der Band aber dadurch, dass er berühmte Geschichten wie Andersens „Die Schneekönigin“ mit weniger bekannten Geschichten, zumeist aus Dänemark, Norwegen, Schweden, aber auch einer Geschichte aus Finnland kombiniert – Geschichten, deren Autor/innen hierzulande nur selten gelesen werden oder überhaupt nicht bekannt sind wie Philip Newth oder Levi Henriksen.

Reiches Spektrum skandinavischer Literatur
So bietet der Band reichlich Gelegenheit, das reiche Spektrum der skandinavischen Literatur kennenzulernen und sich durch spannende und atmosphärische Geschichten berühren zu lassen. Da darf es dann von Zeit zu Zeit ruhig einmal kitschig zugehen, denn an Weihnachten ist auch das erlaubt. Wenn Sie also z.B. wissen wollen, wem ein Hundertkronenschein zu Weihnachten eine Freude macht, dann lesen Sie Alfred von Hedenstjernas wunderschöne kleine Erzählung über den Lebenslauf eines solchen Scheins. Wie alle Geschichten des Bandes eignet auch sie sich ebenso sehr zum Selber-Lesen wie zum Vorlesen – und nicht zuletzt zum Wiederlesen, besonders dann, wenn es draußen kalt ist und der Wind ums Haus pfeift. Denn skandinavische Weihnachten heißt in den meisten Fällen: Es wird den Leser*innen warm ums Herz, weil Geschichten wie etwa Lagerlöfs „Legende vom Luciatag“ davon erzählen, dass das Licht die Dunkelheit besiegt – eine Weihnachtserfahrung für das ganze Jahr.

Alexander Schüller